Sonntag, 21. September 2014, 18 Uhr

St. Andreas Kirche, Altes Dorf, Salzgitter-Lebenstedt


„Von Österreich bis Ungarn“
Streichtrio Mazarteum Salzburg

Das Streichtrio Mozarteum Salzburg wurde 2007 von Professoren der Universität Mozarteum Salzburg gegründet.


Harald Herzl, Violine, studierte in Salzburg bei Sándor Végh und bei den Mitgliedern des Amadeus Quartett in Köln. Primarlus des Pro Arte Quartett Salzburg. Wettbewerbspreise in Helsinki und Hannover. Ausgedehnte Konzertreisen zu den wichtigsten Musikmetropolen und Festivals in Europa und Asien: Wien (Großer Musikvereinssaal), Budapest, Paris, London, Berlin, Athen u.v.a.. 1989 Tournee durch lsrael. 1991 vielbeachtetes Debut bei den Salzburger Festspielen. Raphael Kubelik widmete sein 5. Streichquartett dem Pro Arte Quartett. Exklusiv Vertrag bei BMG/RCA - Einspielung sämtlicher Mozart Streichquartette.
Als Solist Auftritte u.a. mit dem Mozarteum Orchester unter Heinz Wallberg und bei der Mozartwoche Salzburg sowie zahlreiche Rundfunk u. Fernsehaufnahmen. Harald Herzl spielt auf einer Violine von Joh. Battista Guadagnini 177? aus der berühmten Geigensammlung der Oesterreichischen Nationalbank.

Thomas Riebl, 1956 in Wien geboren. Studium mit Siegfried Führlinger, Peter Schidlof und Sándor Végh. Mit 16 Jahren Debüt als Solist im Wiener Konzerthaus; seither Konzerte auf den bedeutensten Podien Europas, Japans und der U.S.A. (z.B. im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins, dem Concertgebow Amsterdam und der Carnegie Hall in New York), u.a. mit dem Chicago Symphony Orchestra, den Wiener und Berliner Symphonikern, dem Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks. Preisträger der intem. Wettbewerbe in Budapest (1975) und München/ARD (1976); 1982 1.Preis und Ernst-Walfisch-Gedächtnispreis beim Intern. Naumburg-Violawettbewerb in New York.
1979 -2004 Mitglied des Wiener Streichsextetts Seit 1983 Professor an der Universität Mozarteum Salzburg. Abhaltung von unzähligen Meisterklassen an den bedeutensten internationalen Musik-Hochschulen. Zahlreiche CD-Einspielungen für EMI, RCA, pan classics und Hyperion Records. Künstlerischer Leiter der Internationalen Sommerakademie Bad Leonfelden, Austria.

Susanna Ehn-Riebl, in Linz geboren, Studium an der Musikhochschule in Wien bei Tobias Kühne, am „Mozarteum“ in Salzburg bei Heidi Litschauer (Diplom mit Auszeichnung) sowie in London bei William Pleeth. Vielseitige Erfahrung als Solistin und Kammermusikerin.
Als Mitglied des Wiener Streichsextetts (1979-2004) Konzertreisen in viele Länder Europas, in die USA, sowie nach Japan. Mitwirkung bei den bedeutendsten internationalen Festivals ( u.a. Salzburger Festspiele, Salzburger Mozartwoche, Schubertiade, Festwochen in Wien, Berlin, Edinburgh); Zusammenarbeit u.a. mit Sabine Meyer, Elisabeth Leonskaja, Angelika Kirchschlager, Juliane Banse. Zahlreiche CD-Einspielungen für EMI und Pan Classics, sowie Videoaufnahmen.
Seit 1985 ist Susanne Ehn-Riebl Lehrbeauftragte für Violoncello an der Universität Mozarteum Salzburg, seit Herbst 2004 auch für Kammermusik. Abhaltung zahlreicher Meisterklassen; seit 1993 Dozentin bei der Internationalen Sommerakademie Lilienfeld, NÖ.

Franz Schubert hat in den Jahren 1816/17 zwei Streichtrios geschrieben, von denen das erste in B-Dur, D 471, unvollendet blieb: an seinen vollständigen ersten Satz, Allegro, schließen sich 39 Takte eines unvollendeten Andante an. Fragmente sind in Schuberts Gesamtwerk ja nichts Ungewöhnliches — die „Unvollendete“ Sinfonie und der Quartettsatz c-Moll sind nur die bekanntesten Beispiele neben einer Fülle unvollendeter Lieder, Klaviersonaten, Quartette etc. In den meisten Fällen handelt es sich um Zeugnisse von Schuberts rascher Kompositionsweise. Statt mit einem problematischen Werk gleichsam zu ringen, ging er lieber zum nächsten Stück über und ließ die Skizzen des alten unvollendet liegen, so weit sie auch immer ausgeführt sein mochten. Wie im Falle des Trios D 471 sind wir dadurch um manches wertvolle Werk betrogen werden, denn auch das Andante hätte eine Vollendung sehr wohl verdient. Der Allegro-Kopfsatz, der heute meist alleine gespielt wird, läßt nicht zufällig den Einfluß von Haydn und Mozart erkennen. Mozarts erwähntes Divertimento galt als klassisches Muster der gesamten Gattung, und Haydns sog. „Barytontrios“ wurden von Schubert und seiner Familie nachweislich in Streichtriobesetzung musiziert. Gerade zu diesen Stücken läßt der Tnosatz B-Dur zahlreiche thematische Ähnlichkeiten erkennen. (aus: Villa Musica; Kammermusikführer)

Ernst von Dohnányi,
Serenade C-Dur für Violine, Viola und Violoncello op. 10
Ernst von Dohnányi, der Großvater von Christoph und Klaus von Dohnányi, war einer der vielseitigsten Musiker des 20. Jahrhunderts. 1877 im damals ungarischen Bratislava geboren, gab er schon mit 7 Jahren sein Konzertdebüt als Pianist. Später wurde er Schüler von d‘Albert und einer der einflussreichsten Virtuosen seiner Generation. Er starb 1960 als Kompositions- und Theorielehrer in den USA. Man kann sein Spiel noch in alten Aufnahmen bewundern, u. a. in Mozarts G-Dur-Klavierkonzert, KV 453; zu seinen Schülern zählten keine Geringeren als Géza Anda und Georg Solti.
Als Komponist blieb Dohnanyi zeitlebens dem spätromantischen Stil verpflichtet, den ihm sein Lehrer, der Brahms-Freund Hans Kössler, vermittelt hatte. Seine Musik bildete dadurch einen Gegenpol zum national-ungarischen Stil eines Kodály oder Bartök. Dohnányis Serenade, op. 10, komponiert 1903, ist eines der Hauptwerke der Gattung Streichtrio. In ihrer kompositorischen Meisterschaft ist sie mit den Streichtrios von Mozart und Beethoven zu vergleichen, an denen sie sich auch formal orientiert. Konkrete Vorbilder waren Mozarts Divertimento, KV 563, und Beethovens Serenade, op. 8. Bedenkt man, mit welcher Spielfreude und klanglichen Fantasie das Stück entworfen ist, so erscheint der Aufwand an kompositorischer Kunst hinter der spielerischen Fassade umso bemerkenswerter.
Der 1. Satz ist ein nur scheinbar einfacher Marsch mit gesanglichem Trio. In Wahrheit finden sich schon hier subtile Unregelmäßigkeiten in der Periodik und kompositorische Kunstgriffe wie Umkehrung und Vergrößerung der Themen. Der naive Ton der F-Dur-Romanze, die von der Bratsche über synkopischer Begleitung angestimmt wird, verkehrt sich im Mittelteil in ein leidenschaftliches Appassionato von Violine und Cello.
Der Höhepunkt der satztechnischen Meisterschaft wird im Scherzo erreicht. Es beruht auf einer Synthese aus rhythmischem Elan, konzertantem Stil und Kontrapunkt, wie man sie häufig bei Mendelssohn findet. Der Hauptteil ist eine chromatische Fuge in d-Moll im Rhythmus einer Gigue. Sie macht von allen Mitteln der Fugentechnik wie Umkehrung, Engführung, Orgelpunkten etc. Gebrauch. Durch mehrere Trugschlüsse bleibt der Schluss der Fuge offen; sie geht nahtlos in das Trio über, dessen sanfte Melodie aus dem Kontrapunkt der Fuge entwickelt ist. Schon während des Trios tritt das Scherzothema wieder auf. Die eigentliche Überraschung enthält jedoch die Reprise: sie steht in D-Dur, statt d-Moll, und vereinigt die Themen des Scherzo und Trios zu einer grandiosen Doppelfuge.
Der Variationensatz offenbart einen weiteren Kunstgriff: sein chromatisch absteigendes Thema entspricht dem Trio des Marsches und zeigt Ähnlichkeiten zum Scherzothema. Auf diese Weise hat Dohnányi die Serenade thematisch vereinheitlicht, eine Tendenz, die am Ende des Finales ihren Abschluss findet. Nach einem Rondo über Haydnsche Themen — voller kontrapunktischer und harmonischer Pointen — kehren der einleitende Marsch und sein Trio wieder. Wie in Beethovens Serenade op. 8 oder in den beiden Serenaden von Dvorak gewinnt man den Eindruck, als ziehe die kleine Schar von Musikern, die sich zu Beginn im Marschtrott unter dem Fenster einer Angebeteten aufgebaut hat, unverrichteter Dinge wieder ab.


Das Programm:


Franz Schubert:                    Streichtrio 471 in B-Dur (unvollendet)
(1797 – 1828)

       
Ernst von Dohnanyi               Serenade in C-Dur op. 10
(1877 – 1960)    

    
Wolfgang Amadeus Mozart     Divertimento in Es-Dur KV 563
(1756 – 1791)         

Dieses Konzert wird gefördert von der
Volksbank Wolfenbüttel-Salzgitter eG