Mittwoch, 24. September 2014, 20 Uhr

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„Vive la France“
Schneider & Imorde – Das Duo


Seit mehr als fünfzehn Jahren sind der Geiger Ulf Schneider und der Pianist Stephan Imorde durch intensive Zusammenarbeit verbunden und gehen einer umfangreichen Konzerttätigkeit nach. Sie werden zu renommierten Festivals wie dem Schleswig Holstein Musik Festival, den Ludwigsburger Schlossfestspielen und den Niedersächsischen Musiktagen eingeladen und sind in Sälen wie der Laeiszhalle Hamburg oder dem Konzerthaus Baden-Baden zu Gast. Regelmäßig sind sie mit Mitschnitten ihrer Konzerte im Hessischen Rundfunk, WDR und NDR zu hören.


Ulf Schneider wurde 1968 geboren. Studium bei Jens Ellermann, Felix Galimir, Masao Kawasaki und Thomas Zehetmair. 1. Preisträger bei den internationalen Kammermusikwettbewerben in Osaka und Melbourne sowie beim Deutschen Musikwettbewerb mit dem 1991 von ihm gegründetem Trio Jean Paul.
Mitglied des Zehetmair-Quartetts bis 1999. Internationale Konzerttätigkeit und Einladungen zu bedeutenden Festivals in Europa, USA,Südamerika, Japan und Australien.
Ulf Schneider ist Professor an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover und Dozent zahlreicher Meisterkurse.
Stephan Imorde studierte bei Renate Kretschmar-Fischer und Anatol Ugorski an der Hochschule für Musik Detmold sowie bei Leonard Hokanson an der Indiana University School of Music in Bloomington (USA).
1988 war er Mitbegründer des Novalis-Trios, mit dem er u. a. mit dem Preis des Kultur-preises im Bundesverband der deutschen Industrie ausgezeichnet wurde.
Seine vielfältigen Konzerttätigkeiten als Solist, Kammermusiker und Liedbegleiter sowie zahlreiche Rundfunkaufnahmen und CD-Einspielungen führen ihn regelmäßig in viele Länder Europas, nach Südafrika, Mittel- und Nordamerika sowie Südostasien.
Stephan Imorde  unterrichtet als Professor an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock.

Musik für das häusliche Musizieren im Familienkreis
Pauline Viardot-Garcia war eine der faszinierendsten, vielseitigsten und einflussreichsten Musikerinnen des 19. Jahrhunderts. Sie wurde 1821 als Tochter des spanischen Tenors Manuel Garcia in Paris geboren. Ihre ältere Schwester ist die berühmte Sopranistin Maria Malibran. Pauline erhält ihre erste Ausbildung als Pianistin, u.a. durch Franz Liszt, als aber ihre Schwester 1836 stirbt, wird sie zur Primadonna der Opernbühne erzogen. 1839 debütiert die 18jährige in London und beginnt so eine der erstaunlichsten Opernkarrieren ihrer Zeit.
1840 heiratet sie den Theaterdirektor Louis Viardot, der 21 Jahre älter als sie ist. Pauline ersingt sich Triumphe auf Konzert-Tourneen durch Deutschland, Italien und Russland, wo sie 1843 den Dichter Iwan Turgenjew kennen lernt – eine schicksalhafte Begegnung für beide. Die Viardot führt ein aufregendes Leben, baut sich einen beliebten Salon in Paris auf und bringt nebenbei noch vier Kinder zur Welt. Aus politischen Gründen entscheidet sich die Familie nach Deutschland überzusiedeln. Die Wahl fällt auf Baden-Baden. In der „Sommerhauptstadt Europas“ hatte sich auch schon Paulines Freundin Clara Schumann angesiedelt. Im Sommer 1863 erfolgt der Umzug. Wenig später folgt auch Turgenjew nach, der das nachbarliche Grundstück erwirbt.
Auch in Baden-Baden wird Paulines musikalischer Salon bald zu einem gesellschaftlichen Ereignis, bei dem sich Künstler, Fürsten und Könige die Klinke in die Hand geben. Sie musiziert gemeinsam mit Clara Schumann und Johannes Brahms. Pauline unterrichtet viele Schülerinnen, die zu bedeutenden Sängerinnen werden sollten und komponiert Lieder, Klavierstücke und kleine Operetten, die sie mit der Familie und ihren Schülerinnen aufführt.
Bei Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges ist die Familie Viardot gezwungen, Deutschland zu verlassen und ihr Anwesen in Baden-Baden zu verkaufen. Als sich die Viardots in Paris niederlassen, zieht wenig später auch der Freund Turgenjew nach. 1883 wird ein schreckliches Jahr für Pauline, sowohl ihr Mann wie auch Turgenjew erkranken schwer und sterben im gleichen Jahr. 27 Jahre blieben ihr noch zu leben. Sie pflegt Umgang mit Künstlern und nimmt am Pariser Konzertleben teil. Hochbetagt stirbt Pauline Viardot-Garcia am 18. Mai 1910 in Paris.
Die so charmant wie geistreiche Sonatine hat die Viargot 1874 in Paris für ihren Sohn Paul komponiert. Sie möge ihn herausgefordert haben mit ihr im häuslichen Kreis – begleitet von seiner Mutter am Klavier und Turgenjew unter den Zuhörern – sein Können unter Beweis zu stellen.


Letztes abgeschlossenes Werk: Debussys Violinsonate
Sechs Sonaten für unterschiedlichste Besetzungen hatte er schreiben wollen, sein Krebsleiden hinderte ihn jedoch daran mehr als drei dieser „kammermusikalischen instrumentalen Wechselspiele“ zu komponieren: es entstanden eine Sonate für Violoncello und Klavier, eine zweite für Flöte, Viola und Harfe sowie eine dreisätzige Sonate für Violine und Klavier. Seit drei Jahren tobte in Europa der Erste Weltkrieg, was auch Debussys Nationalbewusstsein befeuerte. Dennoch lassen sich Einflüsse anderer Kulturen und Nationen in der Sonate finden.
Anklänge an Sinti und Roma-Musik etwa. Sieben Jahre zuvor hatte Debussy auf einer Konzertreise in Budapest einen Sinti und Roma-Geiger kennen gelernt, der ihm Spieltechniken wie das Verschleifen von Tönen nach oben und unten nahe gebracht hatte.
Die Violinsonate war Debussys letztes abgeschlossenes Werk. Er vollendete den dritten und letzten Satz im Oktober 1916, vier Monate vor der Fertigstellung der anderen zwei Sätze. Es ist ein Stück, das von tiefer Melancholie durchsetzt ist, und charakteristische Züge aufweist, die Debussys Werk von allen anderen absetzt: ein Hauch von Fantasie, Freiheit und emotionaler Tiefe.
Die pointierten Anfangsakkorde des ersten Satzes, Allegro vivo, im Klavier versetzen den Hörer unmittelbar in eine gedämpfte Atmosphäre umgeben von Nostalgie und Traurigkeit. Der Satz erfüllt von rhythmischer und harmonischer Mehrdeutigkeit mit einem treibenden Moment ohne Rücksicht auf Schnelligkeit.
Im Kontrast dazu ist der Mittelsatz, wie bereits eine Überschrift Fantasque et léger andeutet, größtenteils leicht und fantasievoll, kapriziös mit ein wenig Koketterie und einem zweiten Thema, das überraschend melodiös und sinnlich ist.
Der letzte Satz, Très animé, beginnt mit treibenden Noten im Klavier, zeitweise durch melodische Betonungen des zweiten Themas aus dem vorherigen Satz unterbrochen. Die Geige gesellt sich dann mit dem nostalgischen Thema vom Anfang der Sonate in leicht abgewandelter Form hinzu. Den Hauptteil des Satzes macht jedoch eine Demonstration spritziger Lebendigkeit aus. Debussy setzt besonders die höchsten Tonlagen ein, die die Geige zur Verfügung stellt, und geht von der leeren G-Saite (die tiefste mögliche Note auf diesem Instrument) bis zu dem Cis drei Oktaven und einen Halbton über dem mittleren C. Vom Klavier verlangt er eine tremoloartige Geschwindigkeit mit atmosphärischer Leichtigkeit de Anschlags.
Kompositorische Qualität und emotionale Kraft
Zweimal hatte sich Francis Poulenc, Mitglied der von Jean Cocteau ins Leben gerufenen „Groupe des Six“, sich an der Komposition einer Violinsonate versucht; beide Male war er mit dem Ergebnis unzufrieden. Als 1942 die junge Geigerin Ginette Neveu den Komponisten um eine Violinsonate bat, musste Poulenc noch einen dritten Versuch wagen: Neveu hatte bei George Enescu und Carl Flesch studiert und galt gegen Ende der 30er Jahre als weltbeste Geigerin. Man konnte ihren Wunsch schlicht nicht ignorieren. So schrieb Poulenc mitten im Krieg im besetzten Paris ein facettenreiches Bravourstück für Violine und Klavier. 1949, nach Ginette Neveus frühem Tod durch einen Flugzeugabsturz, schrieb Poulenc den dritten Satz zum vorliegenden Presto tragico um. So wurde die Sonate zum doppelten Requiem, war sie ursprünglich bereits zum Andenken des Dichters und Dramatikers Frederico Garcia Lorca gewidmet gewesen, der 1936 im spanischen Bürgerkrieg von faschistischen Kämpfern ermordet worden war. Die Bekanntheit der Bläsersonaten erreichte Poulencs Violinsonate nie, nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen Äußerungen, er finde es schwierig, für Solostreicher zu schreiben. Dennoch ist an der kompositorischen Qualität und emotionalen Kraft seines Werks nicht zu zweifeln. Wie ein Schicksalsfaden spinnt sich die hier sarkastisch, dort elegisch pervertierte Melodie von „Tea for two´ durch das gesamte Opus, bevor dieses nach einem letzten, fast zynischen Aufleuchten des Gedankens in sich zusammensinkt.


Ein Klassiker: Francks Violinsonate
César Francks A-Dur-Sonate, ein Klassiker des Repertoires für Violine und Klavier, ist gefüllt mit Schönheit, Aufregung, Fantasie, Schärfe und Dramatik. Während andere Werke von César Franck seit seinem Tod in die Mode oder aus derselben kamen, erfreute sich die A-Dur Sonate sowohl bei Künstlern als auch beim Publikum großer Beliebtheit.
Franck war ein Romantiker, der seinen Erfolg in der Kombination von chromatischen Harmonien mit dem klassischen Stil fand. Er komponierte seine einzige Sonate für Violine und Klavier im letzten Jahrzehnt seines Lebens, einer Periode intensiver Kreativität, in der auch die d-Moll-Symphonie, die Symphonischen Variationen für Klavier und Orchester und Preludium, Choral und Fuge für Klavier entstanden. Im September 1886 schenkte Franck das Manuskript der Violinsonate dem belgischen Geiger Eugene Ysaye zur Hochzeit, wo zugleich die erste Aufführung stattfand.
Die Sonate besteht aus vier Sätzen, die zwischen schnell und langsam wechseln. Wie der erste Satz entfaltet sich auch die Geschichte in unaufhörlichen Melodien und einem rhythmischen Element, das an sanfte Wiegen einer Barcarole erinnert.
Der zweite Satz ist ein Feuerball von Leidenschaft und Energie, mit einer der anspruchvollsten pianistischen Eröffnungspassagen der gesamten Literatur. Trotz des schnellen Tempos und der ständigenn Bewegung bleibt der melodische Fluss markant und große Eindringlichkeit mischt sich in die Aufregung.
Der dritte Satz ist eine fantasievolle Selbstreflexion. Er hat einen Hang zu Maßlosigkeit, mit sowohl einer düsteren und mutigen Stimmung als auch einer ekstatischen Melodik, die im starken Kontrast zum Frieden und zum Gefühl der Verwirklichung des dritten und vierten Satzes stehen. Die fließende Melodie der Viertelnoten ist bereits zu Beginn des Satzes im Klavier präsent, dem die Geige im Kanon folgt. Die beiden Instrumente wechseln sich im Aufgreifen dieses Kanons durch den Satz hinweg ab. Die Sonate endet in energischer Eleganz.     (Quelle: Schneider/Imorde, Programmtexte)

 


Das Programm:

Pauline Viardot-Garcia     Sonatine a-Moll für Violine und Klavier
(1821 – 1910)                         Adagio
                                             Allegro
                                             Allegro

Claude Debussy              Sonate für Violine und Klavier g-Moll  L 140    
(1862 – 1918)                        Allegro vivo    
                                            Intermède. Fantasque et léger
                                            Finale. Très animé
    
                                   – Pause –


Francis Poulenc              Sonate Nr. 4 für Violine und Klavier op. 119
(1899 – 1963)                        Allegro con fuoco
                                            Intermezzo Très lent et calme
                                            Presto tragico


Cesar Franck                 Sonate für Violine und Klavier A-Dur

(1822 – 1890)                        Allegretto moderato
                                            Allegro
                                           Recitativo-Fantasia. Moderato
                                           Allegretto poco mosso

    

 

        
Dieses Konzert wird gefördert von der
Sparkasse Goslar/Harz