Freitag, 26. September 2014, 20 Uhr

Hotel am See – Großer Saal–, Kampstraße, Salzgitter Lebenstedt


„Metamorphosen“
Kammerakademie Potsdam   


Daniel Giglberger, Konzertmeister und Leitung
Solist: István Várdai, Violoncello

Im Jahre 2001 durch den Zusammenschluss des Ensemble Oriol Berlin mit dem Persius Ensemble aus Potsdam entstanden, konnte die Kammerakademie Potsdam (KAP) bereits auf die Erfahrung des Ensemble Oriol Berlin als Streichorchester ohne Dirigent und auf ein umfangreiches Repertoire vom Barock bis zur Moderne aufbauen,

das sich das Ensemble seit seiner Gründung im Jahre 1987 erarbeitet hatte. Mit den Bläsern des Persius Ensembles wurden nicht nur die klanglichen Möglichkeiten, sondern auch das Repertoire erweitert; mittlerweile reicht die stilistische Vielfalt des Orchesters von der Barockoper auf historischem Instrumentarium über die klassische Sinfonie bis hin zur Uraufführung zeitgenössischer Werke. Die Künstlerische Leitung lag zunächst in den Händen von Peter Rundel. Unter Sergio Azzolini begann 2002 eine deutliche Profilierung auf dem Gebiet des 18. Jahrhunderts, die Andrea Marcon ab 2007 fortsetzte. Michael Sanderling entwickelte die sinfonischen Qualitäten des Orchesters, ab 2006 mit einem Repertoireschwerpunkt auf Beethoven und Schostakowitsch, weiter. Ab der Spielzeit 2010/2011 ist Antonello Manacorda Chefdirigent der Kammerakademie Potsdam. Als Solisten konnten u.a. Julia Fischer, Sol Gabetta, Albrecht Mayer, Katia und Marielle Labèque, Daniel Müller-Schott, Christian Tetzlaff, Daniel Hope, Emmanuel Pahud, Baiba Skride, Christine Schäfer, Christiane Oelze, Thomas Zehetmair, Tabea Zimmermann, Steven Isserlis, Kolja Blacher, Gábor Boldoczki und Reinhold Friedrich gewonnen werden. Als Ensemble auf Originalinstrumenten hat sich die Kammerakademie unter Sergio Azzolini, Konrad Junghänel, Bernhard Forck und Erich Höbarth einen Namen gemacht.
Gastspiele führten die Kammerakademie Potsdam u.a. in die Kölner Philharmonie, zur Köln Triennale, in die Musikhalle Hamburg, in die Alte Oper Frankfurt/Main, in die Liederhalle Stuttgart, zum Rheingau Musik Festival, zu den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, zu den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker, zu den Händel-Festspielen Halle, zu den Niedersächsischen Musiktagen, zu den Brühler Schlosskonzerten und nach Spanien.


Daniel Giglberger, seit 1999 Konzertmeister des Münchener Kammerorchesters, wurde 1972 in Freising geboren. Er studierte bei Christoph Poppen, Donald Weilerstein und zuletzt bei Gerhard Schulz. Er absolvierte Meisterkurse bei Franco Gulli, Walter Levin, Miriam Fried und Joseph Gingold und war Stipendiat der European Mozart Foundation sowie der Karl Klingler Stiftung. Außerdem erhielt er wichtige Impulse von Reinhard Goebel im Bereich der historischen Aufführungspraxis. Daniel Giglberger war Preisträger der Wettbewerbe „Jugend musiziert“, des II. Concours International de Chateau du Courcillon (Frankreich) und des Kammermusikwettbewerbs der Hochschule für Musik Detmold.
Als Solist und Kammermusiker gab er zahlreiche Konzerte in Japan, China, den USA und in Europa und war Gast bei vielen namhaften Festivals, wie zum Beispiel dem Schleswig Holstein Musikfestival, dem Rheingau Musik Festival, Styriarte in Graz oder dem Carinthischen Sommer in Ossiach. Im Jahr 2001 gab er sein Debüt im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie und konzertierte des weiteren auf Podien wie dem Wiener Musikverein, dem Theatre de Champs Elysee, der Alten Oper Frankfurt, der Kölner Philharmonie u.a.
Daniel Giglberger ist regelmäßig beim Festival St. Gallen in der Steiermark und beim Festival Bonheur Musical in Lourmarin/ Provence zu hören. Als Konzertmeister ist er außerdem gern gesehener Gast bei anderen Orchestern und Ensembles; so arbeitete er u.a. mit dem hr Sinfonieorchester Frankfurt, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, dem Bayerischen Staatsorchester, der Kioi Sinfonietta Tokyo, dem Stuttgarter Kammerorchester, dem NYDD Ensemble Tallin sowie dem Ensemble Oriol. Daniel Giglbergers Engagement gilt der Aufführung zeitgenössischer Musik gleichermaßen wie der Auseinandersetzung mit historischen Aufführungspraktiken im Barock und der Klassik.

István Vardai
Der gebürtige Ungar ist Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe wie des 63. Internationalen Musikwettbewerbes von Genf (Publikumspreis, Prix Pierre Fournier, Prix „Coup de Coeur Breguet“), des Moskauer Tschaikovsky-Wettbewerbs 2007 (3. Preis, Spezialpreis), des Berliner Eduard-Feuermann-Wettbewerbs 2006 (Stipendiat), des Internationalen Johannes-Brahms-Wettbewerbs 2006 (1. Preis) sowie des Internationalen David-Popper-Musikwettbewerbes Budapest (1.Preise in 2000, 2003 und 2004).
Seit seinem Debüt 1997 in Den Haag trat er mit großem Erfolg in London, Florenz, Prag, Kobe, Frankfurt, Moskau, München, St. Petersburg, New York und China auf. Unter Ádám Fischer, Zoltán Kocsis und Simon Gaudenz war er regelmäßig als Solist eingeladen. Außerdem gab er Konzerte mit zahlreichen Orchestern, u. a. mit den St. Petersburger Symphonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Österreich-Ungarischen Orchester, dem Orchestra de la Suisse Romande sowie dem Irish Chamber Orchestra und ging auf Tournee mit dem Kammerorchester Ferencz Liszt. In 2010 debutierte er unter anderem in der Carnegie Hall und im Wiener Konzerthaus unter musizierte gemeinsam mit Gidon Kremer, András Schiff und Yuri Bashmet bei der Kronberg Academy.
Várdái studierte seit 1997 in der Hochbegabtenklasse bei László Mezö an der Budapester Ferencz-Liszt-Akademie und seit 2005 zusätzlich bei Reinhard Latzko an der Wiener Musik-Akademie. Zu seinen weiteren Cellolehrern zählen Natalia Gutman, Janos Starker und Frans Helmerson, bei dem er von 2010-2013 an der Kronberg Academy studierte. Seit 2013 ist er selber Lehrbeauftragter an der Akademie.
Seine Debüt-CD erschien im Oktober 2009 bei Ysaye Records, für die er Elgars Cellokonzert, Prokofiefs Sonate und Janaceks Pohadka aufgenommen hat.
Im September 2010 hat er J. Vanhals Cellokonzert in C eingespielt und auf seiner jüngsten CD, die 2013 bei Hänssler Records erschien, spielt er Werke von Mendelssohn, Martinu, Paganini, Beethoven und Popper.

Carl Philipp Emanuel Bach, dessen 300. Geburtstag wir dieses Jahr feiern, ist jüngster Sohn des Altmeisters Johann Sebastian Bach. Carl Philipp Emanuel war sein berühmtester und gleichzeitig auch erfolgreichster Sohn.
Carl Philipp Emanuel Bach war keineswegs nur der Sohn seines berühmten Vaters, sondern selbst einer der prägendsten Köpfe seiner Zeit. Zu Recht gilt er heute als einer der wichtigsten Mittler zwischen Barockmusik und Wiener Klassik. Seine erste Karriere machte er am Hofe Friedrichs des Großen, seine zweite als städtischer Musikdirektor in Hamburg. Zu seinen Lebzeiten war Carl Philipp Emanuel berühmter als sein Vater Johann Sebastian. Er galt als der größte “Clavierist” seiner Zeit.
Während seiner Zeit als preußischer Hofcembalist komponierte Bach um 1750 die Konzerte a-Moll und A-Dur für Violoncello und Streicher. Zur Aufführung kamen die Kompositionen möglicherweise gar nicht am Hof Friedrichs II., sondern in Konzerten der „Musikübenden Gesellschaft“, einer bürgerlichen Vereinigung, die sich in Berlin wöchentlich zum gemeinsamen Musizieren traf.
Das Cellokonzert a-Moll mit seinen schnellen Sätzen und emotionalen Passagen gehört zu den besonders anspruchsvollen Werken.


Haydn - Cellokonzert C-Dur
Zugegeben: Es sind viele Violin- oder Flötenkonzerte aus der musikalischen Epoche der Klassik überliefert. Aber wer hat damals eigentlich mal an die Cellisten gedacht? Da gibt es wohl kaum jemanden. Bis auf Joseph Haydn.
Das Konzert hatte lange als verschollen gegolten - bis 1961. Damals tauchte im Prager Nationalmuseum eine Kopie davon auf. Und die passte genau zu Haydns Eintragungen in seinem „Entwurfs-Katalog“. Ein musikalischer Schatz wurde geborgen: Es ist eins der anspruchsvollsten Cellokonzerte überhaupt. Kein Wunder also, dass István Várdai und viele andere Virtuosen es sofort einstudierten. Außerdem gibt es Einblicke in Haydns Leben und Arbeiten. Er schrieb es wohl in den Jahren nach 1761. Damals war er Vizekapellmeister am Hof von Esterhazy.
Das Konzert mutet noch etwas spätbarock an, in seinen festlichen musikalischen Figuren. Die Orchestereinsätze kehren blockartig wieder. Die Besetzung ist klein: Zwei Oboen, zwei Hörner und einige Streicher. Zu Haydns Zeit dürfte das einzige Cello, das dabei war, dem Solisten gehört haben. Er spielt die Soli, ist aber zwischendurch auch in den Orchestertutti präsent. Vielleicht hat der Solist das Orchester ja manchmal auch gleich mit dirigiert. Die anderen Musiker im Halbkreis um ihn herum. Ein kammermusikalischer Aufbau.
Dazu gehört natürlich ein selbständiges Orchester. Wie die Kammerakademie Potsdam, mit der Várdai hier zusammenspielt. Wie zu Haydns Zeit lässt sich das Konzert heute wohl kaum noch spielen. Damals, vor 250 Jahren, erklang es auf Schloss Esterhaza vor einem kleinen, adligen Publikum, das sich untereinander bestens kannte.
Am Cello saß Joseph Weigl. Er war Erster und möglicherweise damals sogar einziger Cellist beim Fürsten von Esterhazy. Haydn war eng mit ihm befreundet. Ja, er war sogar Taufpate von Weigls Sohn Joseph, der - wie sein Patenonkel - ebenfalls Komponist werden wollte.
Wieviel das Genie Haydn für das Cello komponiert hat, ist heute ungewiss. Ganze neun Cellokonzerte wurden ihm einmal zugeschrieben. Doch nur von zweien davon weiß man heute mit Sicherheit, dass sie tatsächlich von Haydn stammen: Das in C-Dur und das in D-Dur. Mit denen hat der Komponist den Cellovirtuosen einiges mit auf den Weg gegeben.
Welche Konzerte versprühen schon einen solchen Charme und eine solche Präsenz? Und wo wird einem Cellisten so viel zugemutet an Präzision und Fingerfertigkeit? Der flotte dritte Satz des C-Dur-Konzertes gehört zum schwersten, was die Celloliteratur zu bieten hat. Zudem spornt er geradezu an, immer noch schneller und schneller zu spielen.
Von barocker Feierlichkeit ist in diesem letzten Satz des Konzertes nichts mehr zu spüren. Die Kunst des Solisten ist nicht mehr in einen festen Rahmen eingebettet. Er ist vielmehr die treibende Kraft in diesem musikalischen Wettspiel. Cellist und Orchester stacheln sich darin gegenseitig an.
Eine Virtuosenpartie wie sie damals, in der aufblühenden Wiener Klassik, immer beliebter wurde. Somit spricht aus diesem Konzert beides: mit dem ersten Satz der noch etwas steife, höfische Rahmen des Spätbarock und - zum Schluss: moderneres, leidenschaftliches Virtuosentum. Doch am eigenen Tempo darf man sich dabei nicht zu sehr berauschen.


Das Programm:

Joseph  Haydn                  Sinfonie Nr. 64 A-Dur „Tempora mutantur“               

(1730 – 1809)                                 Allegro con spirito
                                                     Largo
                                                     Menuetto – Trio
                                                      Finale. Presto

Carl Philipp Emanuel Bach      Cellokonzert Nr.1 a-Moll  Wq 170                                                   

(1714 – 1788)

                                        Pause
 
Wolfgang Amadeus Mozart   Sinfonie G-Dur KV 74                                               

(1756 – 1791)                                Allegro
                                                    Andante
                                                    Allegro

Joseph  Haydn                        Cellokonzert Nr. 1 in C-Dur                                      

(1730 – 1809)                                Moderato
                                                    Adagio
                                                    Allegro molto

Dieses Konzert wird gesponsert von der
Salzgitter AG  Stahl und Technologie