Sonntag, 9. Mai 2021, St. Abdon und Sennen, 18:00 Uhr

Dirk ELSEMANN (Berlin)

Dirk Elsemann erhielt seinen ersten Orgelunterricht im Alter von 7 Jahren beim Kirchenmusiker Alfred Heinzel/ Bocholt. Von 1989 bis 2000 war er Organist in verschiedenen Pfarrgemeinden in Bocholt. 1994 war Elsemann erster Preisträger (Orgelimprovisation) im Bundeswettbewerb Jugend musiziert/ Leipzig. Er besuchte verschiedene Meisterkurse und Seminare in den Fächern künstlerisches Orgelspiel und Improvisation bei Anders Bondeman/ Stockholm, Helmut Deutsch/ Saarbrücken, Jon Laukvik/ Oslo, Peter Planyavsky/ Wien, Jan Raas/ Utrecht und Daniel Roth/ Paris. 1999 gewann er den Gottfried-Schreuer-Preis für künstlerisches Orgelspiel und Improvisation in Düsseldorf.

2001 war Elsemann im Rahmen der Begabtenförderung Stipendiat der Alfred-Sittard-Stiftung. Seit dem Wintersemester 2003 ist Elsemann Dozent für Liturgisches Orgelspiel und Improvisation an der Universität der Künste Berlin. 2005 legte er das Konzertexamen Orgelimprovisation mit Auszeichnung ab. Von 2008 bis 2013 war Elsemann Dozent für Gottesdienstliches Orgelspiel am kirchenmusikalischen C-Seminar der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz an der Universität der Künste Berlin. 2014 erfolgte die Berufung in die Erzbischöfliche Kirchenmusik-Kommission Berlin durch den Erzbischof von Berlin Rainer Maria Kardinal Woelki. Seit 2016 unterrichtet er außerdem Orgelimprovisation an der HMTM in Hannover. Seine musikalische Arbeit wird abgerundet durch eine europaweite Konzerttätigkeit sowie Rundfunk- und CD-Aufnahmen.

Programm:

Suite française im klassischen Stil über ein gegebenes Thema:
- Plaint chant
- Duo
- Trio
- Basse de Trompette
- Récit de Nazard
- Dialogue sur les Grands Jeux

Concerto, Adagio & Fuge im dt. Barockstil über über ein gegebenes Thema

Choralpartita im deutschen Barockstil:
- Satz
- Duo (C.f. im Sopran)
- Trio (C.f. im Alt)
- zu vier Stimmen (C.f. im Sopran)
- zu vier Stimmen (C.f. im Tenor)
- Organo Pleno (C.f. im Baß)

Phantasie und Fuge im dt.-romantischen Stil über ein gegebenes Thema

Drei Skizzen über drei gegebene Themen:
- Prélude
- Andante
- Finale

Erläuterungen zum Programm:

Das heutige Konzert besteht aus reinen Improvisationen. Das bedeutet, dass der Spieler nichts vorbereitet hat und die Musik quasi aus dem Stand – adhoc – erzeugt und interpretiert wird. Lediglich die Formen (Suite, Concerto, Phantasie usw.) sowie Sprachen (französisch-klassischer, deutscher Barocktil usw.) wurden vorher festgelegt. Der Inhalt der Stücke (Themen) soll möglichst von Ihnen vorgegeben werden (beispielsweise Gesänge aus dem Gesangbuch).

Was bedeutet Improvisation eigentlich? Nun, um eine Sprache sprechen zu können – improvisieren zu können – benötigt der Spieler genügend Vokabeln aus der entsprechenden Zeit, sowie eine umfassende Grammatik. Das bedeutet, er muss eine gute Literaturkenntnis haben, ein gut funktionierendes Gedächtnis und die Fähigkeit, Dinge, die er im Ohr hat, souverän und überzeugend auf die Tasten zu übertragen. Wer also eine deutsch-barocke Sprache sprechen/ spielen will, sollte bereits viel Musik von Buxtehude, Bach, Krebs usw. studiert, analysiert und möglichst auch gespielt haben, um dann in eigenen Improvisationen Vokabeln und Grammatik der großen Meister benutzen und neu kombinieren zu können. Gleiches gilt selbstverständlich auch für Klassik, Romantik, Impressionismus und Moderne.

Wenn also heute improvisiert wird, bedeutet das, dass der Spieler sofort eine Idee haben sollte (Planen), sie ausführen und interpretieren muss (Agieren), sowie auf unvorhergesehen Dinge eingehen muss (Reagieren), und sich im besten Falle auch nach 3 Minuten noch an seine Idee erinnern können sollte.

Es wird also hoffentlich ein für alle spannendes Ereignis!

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Dirk Elsemann (Foto: Alexander Heim)


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